Es geht um den Todesfall eines Angolaners aus der ersten Gruppe von Arbeitnehmern, die 1985 aus Angola nach Ludwigsfelde kamen und im IFA-Werk gearbeitet haben.

Unabhängig voneinander haben mir mehrere Zeitzeugen in den Interviews von diesem Vorfall berichtet, und ich bin derzeit dabei, die Informationen zu verifizieren. Ich habe mich bereits an die Pressestelle der Polizei in Brandenburg und Cottbus und an das Justizministerium in Potsdam gewandt sowie eine Anfrage bei der Stasi-Unterlagenbehörde/Bundesarchiv gestellt. Die Recherchen gestalten sich natürlich sehr zäh.

Hier eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse:

Der Fall  Die Geschichte der angolanischen „Vertragsarbeiter“ beginnt 1985 im IFA-Werk in Ludwigsfelde. Nach dem Vertragsabschluss zwischen Angola und der DDR traf im Juni 1985 eine erste Gruppe angolanischer Arbeitnehmer ein, die am Fließband eingesetzt wurde. Einer von ihnen war Armando Fela, geboren am 2. Februar 1959 in Angola. Er reiste am 11. Juni 1985 über Berlin-Schönefeld in die DDR ein und arbeitete bis April 1987 im IFA-Werk.

Zeitzeugenberichte
Verschiedene Zeitzeugen berichten in Interviews übereinstimmend von einem tragischen Vorfall am 16. April 1987, bei dem Armando Fela auf dem Berliner Ring (A10) in Ludwigsfelde zu Tode gekommen sein soll.

Hintergrund
Nach Aussagen der Zeugen hatte Fela eine deutsche Freundin in Sputendorf, einem Vorort von Ludwigsfelde. Auf dem Rückweg von ihrer Wohnung in das Wohnheim in der Fichtenstraße soll er am späten Abend von der Autobahnbrücke, die über die A10 führt, gestürzt sein. Auffällig ist, dass diese Brücke nicht auf dem direkten Weg zwischen Sputendorf und dem IFA-Wohnheim liegt.

Der Unfall
Armando Fela wurde in der Dunkelheit auf der A10 von einem DDR-Bürger im Auto erfasst. Die Polizei nahm den Vorfall auf, Fela wurde noch ins Krankenhaus gebracht, verstarb jedoch an seinen Verletzungen. Anschließend sollen sowohl das angolanische Konsulat als auch DDR-Behörden den Vorgang weitgehend verschleiert haben, sodass bis heute keine gesicherten Informationen über die genauen Todesumstände vorliegen.

Bisherige Archivrecherchen
Bei meinen Recherchen im Bundesarchiv stieß ich auf eine Honorarabrechnung des IFA-Werks Ludwigsfelde aus den Jahren 1986/87. Darin werden 138 angolanische Werktätige mit ihren Arbeitslöhnen aufgelistet. Handgeschrieben wurde jedoch vermerkt, dass tatsächlich nur 137 Personen anwesend waren. 

Aktuelle Rechercheziele
Meine bisherigen Zeitzeugeninterviews sollen durch weitere Recherchen in Behördenakten, Archiven und Zeitungsberichten ergänzt werden, um die Todesumstände von Armando Fela zu klären. Ob es sich um einen Unfall oder um andere Umstände handelte, ist bislang ungewiss. Die Ergebnisse sollen in meinen Dokumentarfilm einfließen und die Aussagen der bisher geführten Interviews entweder bekräftigen oder relativieren. Auf diese Weise möchte ich den Vorfall auf der A10 nachträglich aufklären und transparent machen, was sich im April 1987 tatsächlich in Ludwigsfelde zugetragen hat.